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Messing hat in unserm Alltag schon seit vielen Jahrhunderten Einzug gehalten. Als Türschilder und Haustürklingeln, als Material für Rohre, in der Schmuckherstellung, als stilvolle Armaturen und ganz bekannt für die Herstellung von gut tönenden Musikinstrumenten finden wir das glänzende Material. Messing hat zahlreiche Vorteile, weswegen es in so vielen Bereichen eingesetzt wird. Nicht zuletzt ist es so beliebt, weil es fast so aussieht wie Gold und sehr edel wirkt. Der Werkstoff ist es wert, einmal näher unter die Lupe genommen zu werden. Wir beleuchten die Geschichte des Messings, klären, was Messing überhaupt ist und welche Sorten es gibt und zeigen die vielen Verwendungsmöglichkeiten auf.

Messing – Eine kurze Geschichte

Messing ist eines der ältesten Materialien der Welt. Ganz genau geklärt ist der Ursprung des Wortes nicht, die Legierung aber war schon Aristoteles bekannt. Heute kursieren zwei Geschichten zum Ursprung des Begriffs. Das eine Lager führt den Begriff auf ein altes Volk in der Kolchis, den Mossynoiken zurück, der andere Teil beruft sich auf das lateinische Wort Massa für einen Metallklumpen auf einem offenen Herd. Von der Begriffsklärung abgesehen, ist belegt, dass schon im 3. Jahrtausend v. Chr. die Mossynoiken Kupfer und Zinkcarbonat miteinander verbanden und so die Legierung Messing herstellten. Das Zinkcarbonat kam dafür aus einer besonderen Erde, die sie cadmia nannten, was höchstwahrscheinlich Galmei war. Galmei war eine Sammelbezeichnung für verschiedene schwefelfreie Zinkerze, im besonderen Zinkcarbonat und Zinksilikat, die heute nicht mehr gebräuchlich ist.

Messing verbreitet sich in der Welt

hausnummern poster-bodoni Messing

Hausnummern aus Messing

Unabhängig von den Mossynoiken schmolzen auch in vielen anderen Gegenden der Welt die Handwerker Messing aus Kupfer und Zinkerzen zusammen. Die Römer waren das Volk, welches den Werkstoff in einem größeren Stil verwendeten und schon Gefäße und vor allem Münzen daraus herstellten. Schriftliche Belege über die Verbreitung von Messing finden sich unter anderem bei Cicero in seinem De Officiis, in dem er beklagte, dass viele Händler nur Messing statt Gold unter das Volk brächten. Die Legierung begann sich zu verbreiten und wurde zumeist aus Kupfer und eben dem Galmei zusammengeschmolzen und für allerlei Gegenstände verwendet. Viele Türklopfer und Türklingeln waren aus Messing, Messingschilder zum Kennzeichnen der Häuser, Schmuckgefäße und „goldene Lettern und Hausnummern“ an städtischen Gebäuden waren aus Messing.

 

Wie sehr Messing verbreitet war, kann man nicht genau sagen, wurden doch Bronze, Kupfer und Messing oft sprichwörtlich in einen Topf geworfen und kaum Unterscheidungen gemacht. Viele bekannte Stücke der Geschichte wie der Cappenberger Barbarossa-Kopf oder der Leuchter im Mailänder Dom sind nicht aus Bronze, sondern aus Messing.

Erst im 17. Jahrhundert wurde das Verfahren, Kupfer und Galmei zu Messing zu schmelzen, durch eine neue Legierungstechnik mit einzeln erzeugtem Zink abgelöst. Die Produktionskosten wurden dadurch geringer und die Legierung war auch noch besser. Messing verdrängte nun größtenteils die anderen Kupferlegierungen. Heutzutage kann das Material in nahezu allen Fertigungs- und Bearbeitungstechniken eingesetzt werden. Verschmieden, Schlagen und Austreiben von Blechen, Ziehen von Drähten oder Walzen – der Vielfalt des gut formbaren Werkstoffs sind kaum Grenzen gesetzt.

Messing – Die Eigenschaften

Messingklingel

Türklingel aus Messing

Messing ist eine Legierung aus Kupfer und Zink und härter als Kupfer, aber weicher als Bronze. Es ist amagnetisch. Wenn Sie also einen Messinggegenstand haben und ein Magnet bleibt an ihm haften, ist es wohl doch kein Messingobjekt. Der Werkstoff ist im Gegensatz zu Stahl- oder Aluminiumlegierungen nicht aushärtbar. Bei einem Kupferanteil von unter 37 Prozent kann man es sogar kalt verformen. Wie fest oder hart die Legierung also ist, liegt an der Zusammensetzung der Legierung.

Mit der Zusammensetzung der Legierung (die gebräuchlichsten variieren dabei mit einem Zinkanteil zwischen 5 und 45 Prozent) bestimmt sich aber auch die Farbe des Messings. Je mehr Zink enthalten ist, desto heller wird das Messing. Bei ungefähr 20 Prozent Zinkanteil ist das Material rötlich-braun, ab 36 Prozent glänzt es hellgelb-golden und bei noch höherem Anteil an Zink geht der Farbton ins Weiß-Goldene. Jetzt können Sie sicher auch verstehen, was Cicero so aufregte. Im Übrigens sind die Klingelplatten aus Messing in unserem Türklingelshop genau in diesem wunderbar weichen hellgelb-goldenen Ton gefertigt.

Messingsorten

Ungefähr 70 verschiedene Messinglegierungen gibt es. Die Messingsorten unterscheiden sich durch den Zinkanteil. Für Gussteile gibt es die Sammelbezeichnung Gussmessing. Es kann auch bis zu 3 Prozent Blei enthalten sein. Ist der Bleianteil noch höher, dann zählen diese Legierungen dann zu den Sondermessingen, in denen auch noch andere Elemente enthalten sein können. Einige der gebräuchlichsten Messingsorten wollen wir Ihnen hier kurz vorstellen.

Tombak

Messingsorten mit einem Anteil von mehr als 67 Prozent Kupfer wird Tombak genannt und überwiegend im Kunstgewerbe eingesetzt. Je nachdem, wie hoch der Kupfergehalt ist, unterscheiden sie sich noch einmal in der Farbe und werden unter den Handelsnamen Rottombak, Goldtombak oder Gelbtombak geführt. % und 10-Pfennigmünzen wurden zum Beispiel mit Rottombak plattiert. Tombak findet außerdem auch Verwendung als Geschossmantel in Gewehren und Pistolen und umhüllt dort den weichen Bleikern.

Tafelmessing

Tafelmessing wird vor allem in der Uhrenherstellung für die Zahnräder verwendet. Sie werden aus Messingblechen gestanzt. Auch viele Dekorationsgegenstände werden aus Tafelmessing gefertigt. Denken Sie nur einmal an die vielen klassischen Uniformen von Soldaten und hochrangigen Militärs. Die Brustpanzer, Helme und Verzierungen waren nicht aus Gold, sondern aus Tafelmessing.

Tafelmessing für Zahnräder in der Uhrenherstellung

Goldmessing

Goldmessing ist eigentlich Goldtombak. Da die Bezeichnung aber geläufiger ist, haben wir sie gesondert aufgenommen. Viele Blechblasinstrumente sind aus Goldmessing gemacht.

Gelbguss

Um eine Abgrenzung zu Bronze und Rotguss zu haben, wurden früher Legierungen mit einem Kupferanteil von 56 bis 80 Prozent als Gelbguss bezeichnet. Der Gelbguss hatte sogar eine eigene Zunft.

Talmigold

Talmigold wird vor allem in der Schmuckherstellung benutzt. Es ist eine Rotgusslegierung, die mit Gold plattiert wird. So wird billiger Schmuck auf teuer getrimmt.

Sondermessing

Sondermessing sind Legierungen, die neben Kupfer und Zink noch weitere Elemente wie Blei (ab über 3 Prozent), Eisen, Nickel, Mangan, Aluminium oder Silicium enthalten. Eine bekannte dieser Legierungen ist zum Beispiel Neusilber – eine Kupfer-Zink-Nickel-Legierung. Im Konstruktionsbau wird Siliziumtombak eingesetzt, da es eine sehr hohe Festigkeit und gute Gießbarkeit hat.

Verwendungsmöglichkeiten von Messing

Bis zur Verschmelzung von Zink mit Kupfer wurde ja, wie wir nun wissen, mit Zinkspat bzw. Galmei Messing hergestellt. Diese Legierung war nicht so extrem belastbar, so dass man sich hauptsächlich auf die Fertigung von Schmuck und Kunstgegenständen beschränkte. Für die goldfarbenen Kupfer-Zink-Legierungen sind diese Verwendungsmöglichkeiten hauptsächlich bis heute so geblieben. Griffe, Beschläge, unsere Türklingelschilder, Hausnummern und Messingschilder zum Beispiel als Namensschilder werden daraus hergestellt. Das ist vor allem auch wegen der bakteriziden Eigenschaften äußerst praktisch. Auch in der Schmuckfertigung wird sehr viel Messing mit einem hohen Kupferanteil eingesetzt.

Guss- und Knetlegierungen und die vielen Sondermessing erweitern die Anwendungsmöglichkeiten um ein Vielfaches. In der Sanitärinstallation werden Armaturen und Rohre aus einer Guss-Legierung gefertigt. Antennen und Hohlleiter können hervorragend aus Kupfer-Zink-Legierungen gearbeitet werden, da das Material sehr gut leitfähig ist.

Wie reinigt man Messing?

Wie bei jedem Material, welches im Alltag viel eingesetzt wird, stellt sich für den Endverbraucher auch beim Messing irgendwann die Frage nach der Reinigung. Der Vollständigkeit halber widmen wir dieser Frage dann auch die letzten Worte.

Messing ist sehr pflegeleicht. Es gibt einige Hausmittelchen, die Ihre Gegenstände aus Messing wieder zum Glänzen bringen und wie neu aussehen lassen. Mit Spülmittel und Wasser entfernen Sie den Schmutz. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu fest schrubben, da das Material schnell zerkratzen kann. Sie können Ihr glänzendes Messing auch mit einer Paste aus Mehl, Essig und Wasser polieren. Oft läuft Messing an und bildet eine unschöne Schicht, die Sie so loswerden. Einige Leute schwören auch auf Tomatenketchup., auch saure Milch funktioniert ganz gut. Gebürstetes und mattes Messing polieren Sie mit einer Mischung aus Zitrone und grobem Meersalz. Wer all diesen Hausmitteln skeptisch gegenübersteht, kann natürlich auch zu einem speziellen Reinigungsmittel aus dem Handel greifen.

 

Messing – Geschichte und Verwendungsmöglichkeiten
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