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Edelstahl ist uns allen ein Begriff. Wir haben Kochtöpfe und Besteck aus diesem Material, verwenden rostfreie Edelstahlschrauben und -träger beim Heimwerken im Außenbereich und in jeder Profiküche ist quasi alles vom Kühlschrank über den Schrank bis hin zur Arbeitsplatte aus dem glänzenden Werkstoff. Edelstahl hat viele positive Eigenschaften, wie Rostfreiheit und Witterungsbeständigkeit und sieht dabei auch noch unheimlich gut aus. Deswegen ist das Material auch für Türklingeln, Briefkästen und Schilder in den letzten Jahren immer interessanter geworden. Unsere beliebtesten Produkte im Türklingel-Shop sind die Edelstahl-Klingeln. Grund genug, uns einmal mit dem Material, dessen Eigenschaften, Anwendung und Pflege zu beschäftigen.

Was ist eigentlich Edelstahl?

Zuallererst muss man feststellen, dass es nicht DEN Edelstahl gibt, sondern es eine Sammelbezeichnung für viele verschiedene Legierungen mit unterschiedlichen Korrosionsbeständigkeiten und Festigkeiten gibt. Edelstähle sind legierte und unlegierte Stähle mit einem besonderen Reinheitsgrad. Über den Legierungsgrad sind die verschiedenen Stähle über Werkstoffnummern genau definiert. Die Verbreitung und Ausdifferenzierung der Edelstähle begann vor mehr als hundert Jahren mit der Patentanmeldung 1912. In Deutschland haben sich im Alltag zwei Oberbegriffe besonders durchgesetzt: der V2A-Stahl und der V4A-Stahl.

V2A wird im Alltag besonders häufig verwendet. An Geländern, als Spülbecken, in der Fahrzeugindustrie und vielen weiteren Bereichen finden wir ihn. Auch unsere Produkte wie Klingelplatten oder Briefkästen sind aus diesem Werkstoff gefertigt.

Der V4A-Stahl findet vor allem in Salzwasser, in der chemischen Industrie oder in Schwimmbädern seine Anwendung. Ihm wird noch 2 Prozent Molybdän beigemischt, so dass er noch widerstandsfähiger gegen Korrosion in chlorhaltigen Medien wird.

Übrigens leiten sich diese Bezeichnungen noch immer von den Buchstaben der Entwicklung der ersten Edelstähle her. V steht für Versuch und A für Austenit. Damit sind wir auch schon bei den drei Typen des Edelstahls, die wir kurz vorstellen wollen.

Die drei Edelstahltypen

Es werden drei Edelstahlgruppen unterschieden: ferritisch, martensitisch und austenitisch. Ferritische Stähle haben einen geringen Chromanteil, weswegen sie rosten, wenn auch nicht so schnell wie andere Stähle. Martensitische Stähle haben einen höheren Chromanteil, sind deswegen weniger rostanfällig. Ihre Festigkeit steigert sich mit zunehmenden Chromanteil. Dieser Edelstahl wird am häufigsten genutzt (v2A). Austenitische Edelstähle sind besonders unempfindlich gegenüber Korrosion und sogar Salzwasser- und Säure kann ihnen wenig anhaben. Dies sind beispielsweise oben genannte V4A-Stähle.

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Eigenschaften von Edelstahl

Edelstahl hat viele positive Eigenschaften, weswegen er auch so vielfältig und häufig in unserem Alltag, aber auch in der industriellen Produktion eingesetzt wird. Er ist korrosionsbeständig, wetterfest, langlebig, leitfähig, temperaturbeständig und zudem noch sehr hygienisch.

Die besondere Korrosionsbeständigkeit und damit seine Langlebigkeit erhält der Edelstahl durch eine extrem dünne Passivschicht, die sich auf der Oberfläche bildet. Durch den Chromanteil, der mindestens 10,5 Prozent betragen muss, damit die Bezeichnung Edelstahl vergeben wird, kommt es zu einer chemischen Reaktion mit Sauerstoff. Es bildet sich Chromoxid, welches sich wie ein Film auf den Stahl legt und eine Schutzschicht vor weiteren chemischen Einflüssen bildet. Diese Schicht kann sich sogar bis zu einem gewissen Grad immer wieder neu bilden. Wenn es also zu kleinen Beschädigungen kommt, dann schließen sich die Lücken durch die Passivierung wieder. Deswegen braucht Edelstahl grundsätzlich keine besondere Beschichtung und kann in seiner ganz natürlichen Schönheit wirken. Diese Selbstheilung kann aber nur bis zu einem gewissen Grad erfolgen, weswegen Sie unbedingt unsere Empfehlungen zur Reinigung und Pflege von Edelstahl am Ende des Beitrags beachten sollten.

Bearbeitungsmethoden

Edelstahl kann ganz unterschiedlich bearbeitet werden. Die häufigsten Formen sind:

  • Schleifen (und Polieren)
  • Bürsten
  • Schwabbeln

Das Schleifen und anschließende Polieren gehört zu den mechanischen Formen der Bearbeitung, bei der man Material abträgt. Verwendung dafür finden Trägermaterialien aller Art mit harten Schleifpartikeln. Durch das Schleifen erhält der Stahl eine glatte und glänzende Oberfläche, Schweißraupen und Anlauffarben werden entfernt. Man muss nach dem Schleifen nicht unbedingt polieren, aber im Hinblick auf die besondere Schönheit und den tollen Glanz, der dabei entsteht, ist es ein lieb gewordener Arbeitsschritt.

Auch beim Bürsten wird etwas Material abgetragen, aber nicht so viel wie beim Schleifen. Gebürsteter Edelstahl erhält eine spezielle Struktur. Wir verwenden für unsere Klingelplatten zum Beispiel fein in Längsstruktur geschliffenen Edelstahl.

Das sogenannte Schwabbeln ist die Bearbeitungsform, bei der am wenigsten Material abgetragen wird. Im Prinzip macht es die Oberfläche glatter und bringt sie zum Glänzen. Pasten, Poliermittel und besondere Flüssigkeiten werden dafür verwendet. Wenn Sie so wollen, ist Schwabbeln eine besondere Form des Polierens.

Küchengeräte-aus-Edelstahl-Anwendungsbeispiele

Anwendungsgebiete von Edelstahl

Es gibt kaum einen Bereich, in dem wir Edelstahl in der heutigen Zeit nicht begegnen. Die Liste der Anwendungsgebiete reicht von Industrie und Handwerk über Architektur und Haushaltswaren bis hin zum Kunsthandwerk. Unsere Liste versucht, Ihnen alle Bereiche darzustellen, doch sicherlich wird sie, auch wenn sie recht lang ist, noch immer nicht alle Gebiete der Anwendung abdecken.

  • Architektur und Bauwesen
  • Schiffbau
  • Maschinenbau
  • Automobilindustrie
  • chemische Industrie
  • Möbelbau
  • Pharmaindustrie und Medizin
  • Umwelttechnik und Wasserwirtschaft
  • Offshore-Technik
  • Nahrungsmittelindustrie
  • Kunsthandwerk und Skulpturenbau

Edelstahl wird überall da eingesetzt, wo Langlebigkeit und Werkstoffneutralität gewünscht sind. Bauteile wie Fenster- und Türbeschläge im Wohnungs- und Möbelbau sind typische Einsatzgebiete, denen wir im Alltag begegnen. Bauelemente wie Stahlträger setzt man in der Architektur und im Bauwesen ein. In der chemischen Industrie und in der Medizin finden sich Edelstähle als Behälter, Zu- und Abläufe.

Nicht zuletzt haben wir viele verschiedene Haushaltsgegenstände, die aus Edelstahl gefertigt oder damit ummantelt sind. Denken Sie nur an Geschirrspülmaschinen, Wasserkocher und Kaffeemaschinen im schicken Metall-Look. Auch in der Lebensmittelindustrie wird auf Edelstahl gesetzt. Ein Beispiel sind die Braukessel und Weintanks, in denen Bier und Wein heranreift. Aber auch in der Fleisch – und Milchverarbeitendeb Industrie ist Edelstahl das bevorzugte Material, da es Salzhaltigen Lösungen trotzt und eben auch gegen Milchsäure beständig ist. Und auch in der Kunst ist der haltbare und gut formbare Werkstoff sehr beliebt. Skulpturen aus Edelstahl behalten viel Jahre ihr Aussehen. Patina, wie bei Bronze, entsteht nicht.

Wir könnten noch unzählige dieser Beispiele aufzählen, doch wir denken, dieser kleine Auszug reicht aus, um Ihre Vorstellungskraft weiter anzukurbeln.

Ist Edelstahl immer rostfrei?

Grundsätzlich spricht man bei Edelstahl meist einfach von rostfreiem Stahl, aber auch Edelstahl kann rosten, wenn auch langsamer, wie wir weiter oben schon ausgeführt haben, Die Korrosionsbeständigkeit richtet sich nach dem Chromanteil und kann durch Zugaben von Nickel oder Molybdän noch weiter verbessert werden. Außerdem ist die Beständigkeit gegen Rost, wie wir das korrodierte Material gemeinhin nennen, noch abhängig von der Beschaffenheit der Oberfläche. Je glatter, desto korrosionsfester, lautet hier das Stichwort. Dennoch kann eben auch Edelstahl rosten. Wir erklären kurz die möglichen Spielarten der Korrosion beim Edelstahl.

Lochfraß

Der Name Lochfraß verrät schon einiges. Bei dieser Korrosionsart wird nur an speziellen Punkten die Passivschicht zerstört. Es entstehen kleine Grübchen auf dem Material, oder eben Löcher. Lochfraß kann besonders im Abwasserbereich auftreten, da hier häufig viele Chlorid-Ionen zu finden sind, die die Oberfläche angreifen.

Interkristalline Korrosion

Interkristalline Korrosion entsteht, wenn durch die Bildung von Chromcarbide eine Verarmung des Chromanteils in bestimmten Stellen stattfindet. Chrom ist notwendig zur Bildung der passiven Schutzschicht. Diese Form der Korrosion wird durch Beigabe von stabilisierenden Stoffen wie Nickel eingedämmt.

Kontaktkorrosion

Die Kontaktkorrosion kommt recht häufig vor. Diese entsteht, wenn Edelstahl auf andere metallische Werkstoffe trifft, Das unedlere Metal wird angegriffen und die entstehenden Elektrolythen greifen dann auch den Edelstahl an. Ein typisches Beispiel aus dem Alltag sind Verbindungen aus Edelstahl- und Stahlflanschen. So rosten auch manchmal Edelstahlschrauben, wenn diese zur Verschraubung mit Gussflanschen verwendet werden.

Spaltkorrosion

Die Spaltkorrosion kommt vor allem in sehr sauerstoffarmen Umgebungen mit einem hohen Anteil an aggressiven Medien. In Spalten und kleinen Hohlräumen ist das häufig der Fall.

Reinigung und Pflege von Edelstahl

Prinzipiell ist Edelstahl sehr leicht zu reinigen und zu pflegen, denn er hat ja diese Passivschicht, die die Oberfläche schützt. Doch mit der Zeit kann auch das so faszinierende Material ein wenig an Glanz verlieren. Aber keine Sorge – dies sind meist nur oberflächliche Ablagerungen, die Sie schnell wieder entfernen können.

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Grundsätzlich reicht es für die Reinigung von Edelstahl aus, wenn Sie Wasser und ein Mikrofasertuch zur Hand haben. Nutzen Sie im Außenbereich am besten eine Regenschauer und reiben Sie nach diesem Ihre Edelstahlteile einfach ab. Ist kein Regen in Aussicht, aber das Material sieht aus, als könnte es eine Abreibung gebrauchen, dann nehmen Sie besser destilliertes Wasser und kein Leitungswasser. Sie können einen Spritzer Spülmittel mit hinzugeben, um die Oberflächenspannung etwas Herabzusetzen neueverbeitFleckenbildung entgegenzuwirken. Sind die Ablagerungen und Verschmutzungen schon etwas gröber, dann hilft auch ein spezielles Spray oder Pflegemittel aus dem Handel. Bitte verwenden Sie aber nur weiche Tücher wie eines aus Mikrofaser. Scheuerschwämme und eisenhaltige Materialien wie Stahlwolle zerstören die Oberfläche des Stahls und somit auch seine natürliche Schutzschicht.

Nach getaner Arbeit können Sie die Oberfläche leicht mit einem Edelstahlspray einsprühen. So wird die Oberfläche langanhaltend versiegelt und neuer Fleckenbildung vorgebeugt.

Tipp: Reinigen Sie gebürsteten Edelstahl immer in Schleifrichtung. Verwenden Sie auf keinen Fall säurehaltige Reinigungsmittel oder Silberputzmittel!

In der Küche kann es hin und wieder zu Kalkablagerungen am Edelstahl kommen. Um diesen zu entfernen, können Sie wunderbar mit Essig oder Essigessenz arbeiten. Stellen Sie aus Essig und Wasser eine 25-prozentige Lösung her und geben Sie diesen auf ein Tuch oder einen weichen Schwamm. Die Lösung tragen Sie auf die Oberfläche auf und lassen sie etwa 30 Minuten einwirken. Danach alles gründlich abwischen und alles glänzt wie neu!

 

Edelstahl – Materialkunde und Wissenswertes
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